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Sonne pur im Schweizer Jura - 28./29.6.2008
(Creux du Van und Gorge d’Areuse)
Wieder einmal haben die Neinsager zum Berichtschreiben die Oberhand gehabt und unsere Organisatoren dieses Wochenendes auch noch
auf dem Berichtschreiben sitzengelassen. Das fand ich so unfair, daß ich nun schon zum zweiten Mal in dieser Saison schreibe. (Dies nur zur Erklärung für alle, die meine Art zu schreiben nicht mögen.
Sollte hieraus Kritik abgeleitet werden, sind die Autofahrer ganz klar nicht gemeint, im Gegenteil, ihnen ein herzliches Dankeschön für ihren Einsatz, weil ich dadurch mitfahren durfte.)
Es war ein wunderschönes Erlebniswochenende! Wenn m orgens um 7.00 Uhr schon die Sonne scheint, sind alle gut drauf, egal wie früh man aus dem Bett fallen muß. Mit 3 Autos für 11 Personen ist die Strecke Basel, Solothurn,
Biel, Neuchâtel nach Boudry in etwa zweieinhalb Stunden zurückgelegt inclusive Kaffeepause in Biel. Gegen 10.20 Uhr sind alle startklar und in froher Erwartung. 730
Höhenmeter Aufstieg mit ausreichender Zeitvorgabe sind eine überschaubare Größe ohne Frust, vorallem für die paar Insider, die wissen wie schön es oben ist und
deshalb noch einmal mitgegangen sind. Am Südhang des Montagne de Boudry aufwärts schützt uns herrlich grüner Laubwald, später Mischwald, vor der heißen Mittagssonne.
Das tut gut, weil der Weg stetig steigt, im letzten Drittel zum Rand des Kessels des Creux du Van sehr steil und
urig über Holzstufen, Wurzeln und Steine. Bei jedem schönen Aussichtsflecken ist Zeit zum Schauen z.B. auf
den See von Neuchâtel und die Alpenkette in der Ferne, also eine Genußtour mit Trainingspotential. Auch
seltene Pflanzen und Blumen finden Beachtung, lenken ab vom ewigen “step by step” und dem Gewicht des
“Affen” auf dem Rücken. Nach der steilen Naturtreppe fordern einige Mägen die Mittagspause ein. Aber noch ist
es nicht soweit, erstmal muß man schauen und staunen bei den spärlichen Durchblicken auf den gigantischen
Felsenkessel der 200 m hohen, fast senkrechten Wände. Noch weiter geht’s auf dem schmalen Pfädle durch
die Fichten und über eine Lichtung mit neuen Alpenblumenarten bis ein ganz toller Mittagsrastplatz gefunden ist
mit Blick auf den ganzen Felszirkus einerseits und auf den Lac de Neuchâtel andererseits - einfach herrlich! Der
weitere Weg führt über blumenreiche Hochweiden, wo gerade der gelbe Enzian aufblüht, durch wenig Wald zum
Gehöft La Grand Vy auf 1381 m, bei dem wir uns noch eine kurze Kaffee-Bier-Eis-Pause gönnen. Jetzt sind es
nur noch läppische 100 Hm bis zum höchsten Punkt unserer Tour zum Creux du Van auf 1463 m Höhe. Dann kommt der Moment, wo kein Baum mehr die Sicht versperrt auf den großen Halbkreis der gigantischen
Felswand, ein Amphitheater der Natur! Es gibt fast keine Absperrungen vor den Abbrüchen mit
schwindelerregendem Tiefblick, ideal zum freiwilligen oder auch unfreiwilligen Abschied: man braucht nur einmal et was zu neugierig nach den schönen Blumen zu schauen - ups - schon fliegt man vorbei an noch schöneren Pflanzen und Steinen. Gegenseitige Warnung an
alle Fotografen. Leider hat auch der Wind so manches Bild verwackelt. Bei der begeisternden Vielfalt der Pflanzen fange ich besser gar nicht erst an sie aufzuzählen oder zu beschreiben. Es
fällt schwer sich von dieser herrlichen Gegend zu trennen, aber es liegen noch 730 Hm Abstieg vor uns. Jetzt ist es schon nach 17.00 Uhr. In dem kleinen Nest Noiraigue gibt es nur ein Gasthaus
als Unterkunft. Wir bekommen ein schönes Matratzenlager mit sauberen Decken und Kissen, und für alle nur ein WC und eine Dusche. Der Verkehrsstau ist vorprogrammiert. Aber die
Wirtinnen sind mit dem Abendessen sehr geduldig. Wir bekommen Hausmannskost-Einheitsmenue, aber sooooo gut,
daß alle begeistert sind. Auch bei den Weinen ist für jeden etwas Passendes dabei. Es gibt hier zwar keine
Hüttenruhe, aber alle sind müde und gehen freiwillig bald ins Bett - man weiß ja nie, wann man vom Schnarchen der anderen wieder geweckt wird.
Am nächsten Morgen begrüßt uns ein blitzblank-blauer Himmel mit strahlender Sonne. Der Engpaß
“Badezimmer” wird wieder im Schichtverfahren gemeistert. Nach dem reichlichen Abendessen hätte ich nicht
gedacht, daß das Frühstück schon wieder schmeckt, besonders der Käse ist ein Gedicht. Vor dem Aufbruch
gegen 9.00 Uhr Aufstellung zum obligaten Gruppenfoto (es drängt sich der Verdacht auf, daß heute in der
Areuse-Schlucht vielleicht Verlust entstehen könnte). Es liegen 8 km Schluchtweg vor uns mit etwa 3 Stunden Gehzeit. Die Sonne sticht schon wieder beim Gang durch das Dorf Noiraigue m it seinem einzigartigen Kirchturm aus Granit und dem Granitbrunnen. Der
Zugang zur Areuse-Schlucht liegt neben der Bahnlinie. In den vergrasten Streifen neben unserem Weg entdecken wir viele Rispen von Mückenhändelwurz und einige vom Pyramidenknabenkraut. Der
folgende Mittelteil des Flußlaufes ist hübsch, flach und nicht gerade aufregend. So sieht’s bei uns im Schwarzwald auch aus. Durch mehrere E-Werke wird das Wasser um- und
abgeleitet. Wegen der Zufahrten für Angler ist unser Weg öfter asphaltiert. Dafür ist der Schatten durch die Bäume sehr angenehm und es entsteht manch hübscher Blick auf Sonnenlicht durch
Buchenlaub oder Reflex auf dem Wasser. Je weiter wir uns dem unteren Flußteil nähern, desto interessanter wird es. Die Schlucht wird enger, dunkler und tiefer. An der engsten Stelle überspannt
eine alte steinerne Bogenbrücke von 1883 den Felseinschnitt in imposanter Weise - das Fotomotiv des Tages. Die Felsklüfte könnten bis 50 m tief sein, beängstigend schwarz ist es da unten.
Die Erbauung muß abenteuerlich gewesen sein. Jetzt , wo alles verwittert ist, sieht es sehr romantisch aus. Gegen Mittag werden an einem Rastplätzchen mit Brunnen noch einmal die Rucksäcke
vom Vesper erleichtert, obwohl wir bisher noch nicht allzuviel Kalorien verbraucht haben. Zwei “Kneipianer” testen derweil die Temperatur des Flusses in
einer Gumpe. Da nur wenige Sonnenstrahlen zum Aufwärmen durch die Bäume drangen, mußten sie später
durch schnelleres Laufen ihre Betriebstemperatur wieder normalisieren. Beim weiteren Wegverlauf beobachten
wir in der Flußtiefe merkwürdige Luftblasen, die in Menge und Bündelung untypisch sind für Fische. Das Rätsel
löst sich schnell, als auch ein paar Gummiflossen sichtbar werden mit drei Tauchern daran: Höhlentaucher
unterwegs - für mich ein Alptraum und Bewunderung zugleich. Langsam werden die Felseinschnitte flacher, die
brausenden Wassermassen leiser und sanfter, das Tal weitet sich. Vorbei ist es mit Abenteuer und Romantik. Die Areus landet in einem Wasserwerk, neben dem unsere Autos parken. Gegen 13.00 Uhr kommen an,
machen uns “landfein” und fahren nach Neuchâtel zum Kaffeetrinken und Altstadtrundgang. Bei der Heimfahrt
klingen die wunderschönen Eindrücke dieses Wochenendes noch nach, für das ich mich bei Angelika und Peter sehr herzlich bedanken möchte.
Heike Vorwerk
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