|
Hoch-/Gletschertour zum Pollux (4092 m) über den Nordgrat, 28.-30.08.2009
Als Ziel dieser Hochtour hatte unser Tourenführer Eberhard den Pollux im Oberwallis bei Zermatt
ausgewählt. Teilnehmer waren Susanne, Jörg, Matthias und Francesca.
Gemäß der griechischen Mythologie sind die Zwillingsbrüder Castor und Pollux Söhne des Gottes Zeus.
Eher bekannt sind sie aber als Sterne im Sternbild der Zwillinge. Der Pollux ist der unserer Sonne am nächsten stehende Riesenstern, seine Entfernung beträgt 35 Lichtjahre. Wir hofften unseren Gipfel
schneller zu erreichen.
Star t war um 6 Uhr am PSV-Heim, Kaffee gab es unterwegs an der Autobahngaststätte Gruyère. Da Zermatt autofrei ist, stellten wir die Autos in einer
Parkgarage in Randa ab und setzten unsere Fahrt per Bahn fort. In Zermatt nahmen wir um 12.24 Uhr die Gornergratbahn (Zahnradbahn), mit der wir den Rummel
des Skiortes hinter uns ließen und in eine andere Welt aufstiegen: prachtvolle Blicke auf´s Matterhorn bei strahlendem Sonnenschein und klaren Lichtverhältnissen
ließen das Herz höher schlagen. Unterhalb des Gornergrats an der Station Rotenboden auf 2815 m Höhe stiegen wir aus. Bevor wir unseren dreistündigen Marsch zur Monte
Rosa Hütte (2795 m) begannen, bestaunten wir das grandiose Panorama. Vor unseren Augen lagen im Süden wie aufgereiht das Monte Rosa Massiv mit der Dufourspitze (4634 m), das Lisjoch, der Liskamm(4527
m), die Zwillingsberge Castor (4228 m) und Pollux (4092 m), das Breithorn (4164 m), das kleine und große Matterhorn (4478 m) und zahlreiche Gletscher. Interessiert beäugten wir den Pollux, den wir morgen
erklimmen wollten.
Um zur Monte Rosa-Hütte zu gelangen, die wie auf einer
Felseninsel mitten zwischen Gorner-, Grenz- und Monte Rosa-Gletscher gelegen ist, querten wir unterhalb des Gornergrats nach Osten und bekamen auf dem Gornergletscher eine Aktion von Green Peace zu
sehen. „OUR CLIMATE. YOUR DECISION!“ stand in großen gelben Lettern auf dem Eis geschrieben. Beim schweißtreibenden Aufstieg im Fels wurden wir von ohrenbetäubendem Lärm zahlreicher
Helikopterflüge begleitet: Baueinsätze, für die Neue Monte Rosa-Hütte. Diese wird oberhalb der alten neu
gebaut. Die innovative gläserne Architektur, ein Projekt der ETH Zürich, soll an einen Bergkristall erinnern.
So gehörten wir wohl mit zu den letzten Gästen der alten Hütte, denn diese wird in absehbarer Zeit
abgerissen. Schade, die jetzige ist noch ursprünglich, rustikal und hat etwas vom alten „Hüttenflair“. Hier
wäscht man sich noch draußen am Brunnentrog (inklusive exquisitem Blick auf die Gletscher-Bergwelt und das Matterhorn) und verbindet den Gang zur Toilette mit einem kleinen Spaziergang zum separaten
Toilettenhäuschen. In der kleinen holzgetäfelten Stube mit Patina trifft sich ein internationales Völkchen: Iren, Engländer, Italiener, Schweizer und Deutsche sind an diesem Abend anwesend.
Nach unserer Ankunft um 16 Uhr und Bezug unseres Matratzenlagers genossen wir auf der kleinen
Terrasse die Sonne, besprachen die Route und holten uns Tipps von einem Bergführer ein. Es wurde klar, dass wir morgen eine Mammuttour vor uns haben, da wir erstmal 300 hm auf dem Gornergletscher ab- und
den Schwärzegletscher von ganz unten aufsteigen müssen. Nun schien uns auch der Berg Pollux um Lichtjahre in die Ferne zu rücken.
Auf der Hütte gibt es die Wahl zwischen 2 Frühstücksuhrzeiten 2 und 7 Uhr: unsere Wahl fiel auf zwei Uhr,
um 3 Uhr war dann Abmarsch mit Stirnlampen. Eine sternenklare Nacht begrüßte uns - irgendwo in der Ferne der Pollux sowohl am Himmel als auch hinter den Bergen ... Zunächst Abstieg auf den
Grenzgletscher, den wir in nord-westlicher Richtung bis zum Gornergletscher querten. Denn es galt das Felsmassiv „die Schwärze“ nördlich zu umgehen, um dann den langen Aufstieg von Norden über den
Schwärzegletscher zu nehmen. Die anfangs vorhandenen, reflektierenden Wegmarkierungen waren im Dunkeln nicht immer auf Anhieb erkennbar und ein paar defekte Steigeisen machten zusätzlich Probleme.
Selbst Eberhards wiederholte Reparaturversuche konnten ein geschlossenes Weitergehen nicht verhindern. Um 6 Uhr erklärte Matthias sich bereit Susanne zur Hütte zurück zu begleiten.
Nur noch zu dritt überschritten wir die Moräne des Grenzgletschers und bildeten eine Dreierseilschaft.
Allmählich begann die Dämmerung. Frühnebel sorgte für mystische Stimmung. Wir begannen auf dem Schwärzegletscher aufzusteigen. Von mal zu mal brach der Nebel auf und die ersten von der Sonne
beschienenen weißen Berggipfel wurden sichtbar. Endlich Sonnenschein, dann nochmals Nebel. Es ist inzwischen 8 Uhr. Auf etwa 2700 m erreichten wir eine spaltenreiche Passage, mussten unseren Weg im
45 Grad steilen Gelände durch das Labyrinth von zahlreichen Gletscherspalten finden. Die Pickelhaue kam zum Einsatz, Spalten mussten übersprungen und den Zacken der Steigeisen vertraut werden, dass sie
halten. Für mich als Fast-Neuling eine Herausforderung. Nachdem diese spannende Etappe überwunden war – die Sonne hatte sich nun vollständig durch den Nebel gekämpft - ging es auf einem angenehmen
Firnfeld auf dem Schwärzegletscher weiter nach oben. Eine Felseninsel tauchte auf und die Frage lautete, ob sie nun von rechts oder links am besten zu umrunden sei. Die rechte Route weiter auf dem
Schwärzegletscher schien unmöglich wegen abweisend und unüberwindbar aussehenden Séracs. Also bogen wir nach süd-ost zu einem Schneesattel, am Kleinen Pollux (3306 m) vorbei, kamen allerdings
weiter oben zum Stoppen. Der Grat der Schalbetterflue war erreicht, der Blick auf die Séracs des Zwillingsgletschers unterhalb beeindruckend. Un s schien der Weitergang im steilen Fels ohne Steigeisen und Gepäck sinnvoll. Kletternd stiegen wir weiter auf, mussten an einer steileren Wand dann
allerdings aufgeben. Ca. 3500 m hatten wir immerhin erreicht. Der Abstieg zu unserem Gepäck und eine wohlverdiente Vesperpause standen an. Um 13:15 Uhr begannen wir den Abstieg und
langen Rückweg. Gegen 17:30 wurden wir schließlich an der Hütte wohlbehalten von Susanne und Matthias in Empfang genommen. Angeregt tauschten wir das Erlebte aus und so blieb am
Schluss für uns nur die Frage offen: Wie ist der Pollux von der Nordseite erreichbar?
An diesem Abend war die Hütte so voll, dass die Stube fast aus den Nähten platzte. Die Nacht im engen
Matratzenlager wurde wegen verhinderter Frischluftzufuhr zu einem Saunagang. Die wohlverdiente Nachtruhe musste von vielen von uns mit einem Gang raus an die kühle Luft unterbrochen werden. Am
dritten Tag unserer Tour gab es Frühstück zur zivilisierten Zeit um 7 Uhr. Um 8.45 Uhr verließen wir die Hütte und nahmen den gleichen Weg zurück wie wir gekommen waren. Mit jedem Höhenmeter zurück ins
Tal kamen wir auch wieder zurück ins gewöhnliche Leben. Welch eine andere Welt!
In Zermatt hatten wir einen fast einstündigen Aufenthalt zu überbrücken, der uns zu einer willkommenen
Stippvisite in ein Café führte. Zwar boten wir mit unseren Rucksäcken, Pickeln, Seil und Helmen einen lustigen Kontrast zum gesetzteren Publikum dort, doch die zu uns genommenen Süßigkeiten wie Kuchen,
Nusshörnchen und mit Sahnehäubchen gekrönte Heiße Schokolade ließen uns die Vorteile der „anderen Welt“ genießen. Gegen 18.30 Uhr kamen wir in Freiburg an.
Auch wenn wir mit dem Pollux (von der Nordseite) wohl nach den Sternen gegriffen hatten und er von
dieser Seite um Lichtjahre von uns entfernt schien, so war es eine tolle Erfahrung in solch einem grandiosen Hochtourengebiet unterwegs gewesen zu sein.
Francesca Mack
|