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Rückblick 2009
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Rotsandnollen

Erlebnisbericht: Bergfrühling in den Alpen – Wanderung mit Herbert Higle am 28.06.2009

Die Blütenpracht noch in Erinnerung, wollten wir auch dieses Jahr den Bergfrühling in den Alpen wieder erleben.

Herbert hatte dazu eine Wanderung von Melchsee-Frutt (1902 m) auf den Rotsandnollen (2700 m) angeboten. Früh gings los. Etwas unsicher, ob wir uns bei diesen ungewissen Wetterverhältnissen auf das Abenteuer einlassen sollten, waren wir schon. Doch als wir mit unseren Autos in Melchsee-Frutt ankamen, war jeglicher Zweifel verflogen. Ein strahlend blauer Himmel, eine frische Frühlingsluft, eine Bergwelt, die ihr Winterkleid noch nicht vollends abgelegt hatte und die von einem saftigen Grün überzogen war, empfingen uns.

Es war 9.00h als wir uns aufmachten und sogleich einen wunderbaren Blick auf den ruhig daliegenden See in Melchsee-Frutt hatten. Einige Liftanlagen deuteten darauf hin, dass man hier im Winter auch sehr schön Skilaufen und Schneeschuhtouren machen kann, was so mancher über den PSV bereits in Anspruch genommen hatte. Und heute sieht es ganz anders aus. Nicht weiß, sondern grün mit vielen kleinen bunten Tupfern. Kaum waren wir ein paar Meter gegangen, fing Herbert an, die vielen kleinen farbintensiven - rot, blau, lila, weiß, gelb und rosa - Pflänzchen mit seiner Kamera einzufangen. Und irgendeiner wusste auch immer den Namen dazu. So kamen wir, verhindert durch den Zauber der Blumen nur langsam vorwärts. Immer wieder machten wir einen kurzen Halt zum Fotografieren und um die Bergwelt zu genießen.

Der Weg war angenehm - flache Steigung, die mit kleinen Stufen ausgelegt war - einen Blick rechts zum Titlis, so wanderten wir von Melchsee-Frutt zum Bonistock, der Bergstation der Seilbahn, wo wir nach etwa einer Stunde unsere erste kleine Trinkpause einlegten.

Dann ging es weiter zum Chringen. Rechts die Bergkette von Engelberg mit restlichen Schneeflecken, den Melchsee langsam verschwindend, den Tannensee langsam auftauchend, dahinter im angrenzenden Tal etwas tiefer gelegen den Engstlensee - und links eine immer mächtiger werdende Felswand, die Hohmad-Barglen-Kette, an der gerne geklettert wird.

Von da an machten wir unsere Tour ohne vorgegebenen Weg. Kleine Geröllfelder bestätigten, dass wir unsere Stöcke nicht umsonst mitgenommen hatten. Auch auf den immer größer werdenden Altschneefeldern erwiesen sie sich als sehr hilfreich. Diese Flächen sahen sicher aus, doch von unten her, war an einigen Stellen schon so viel weggetaut, dass man ab und zu mit Stock oder Fuß etwas tiefer einsank als gewollt. Was erwartet mich beim nächsten Tritt? Doch Herbert führte uns über den sichersten Pfad, vielleicht gelenkt von den Spuren der Gämse, die wir später am Gipfel sehen konnten.

Je höher wir stiegen, desto kühler wurde es und die Altschneefelder größer. Eine kleine Pause erlaubte uns, die wärmere Kleidung aus dem Rucksack zu holen. Und ein Blick nach oben ermahnte uns, zügiger vorwärts zu kommen, wurde die Wolkenbildung doch immer kräftiger und waren für den späten Nachmittag Gewitter angesagt. So schnell wir konnten, ging es voran Richtung Rotsandnollen, der seinen Namen vom roten Sand, den er meterweit über die Schneeflächen verstreut, bekommen hatte. Nur noch wenige Höhenmeter, 300 m etwa, trennten uns von dem 2.700 m hohen Berg, der im Winter auch gerne als Ziel für Skitouren genommen wird.

Etwa hundert Meter unterhalb des Gipfels kamen wir an einen Sattel, von wo wir die Steilwände der anderen Seite langsam aus der Nebelwand erscheinen und wieder verschwinden sehen konnten. Es war richtig unheimlich und man musste schon recht schwindelfrei sein, um sich hier an die Kante wagen zu können. An der links hoch aufragenden Felswand kletterte Herbert auf einen Vorsprung. Es war atemberaubend hinzusehen. Wir andere hielten alle Abstand, aus Respekt vor diesen Höhendifferenzen. „Von fesselnder Eindringlichkeit ist oben der Blick in die wilde Felslandschaft an der Nordseite des Rotsandnollen.“ steht es im Tourenbuch beschrieben

Es war 13.30h geworden. Wir waren zwar noch nicht ganz am Ziel, doch Erkundungen von Herbert zufolge, wären die letzten Höhenmeter mit Klettern verbunden gewesen, was wir in Anbetracht der Zeit und des Wetters nicht mehr auf uns nehmen wollten. So machten wir hier unsere zentrale Vesperpause und erklärten diese Stelle als Ziel unserer Frühlingswanderung.

Und von da an gings bergab. Um 14.00h machten wir uns auf den Rückweg. Mit den Wanderschuhen auf dem Altschnee abwärts zu rutschen war zwar lustig doch nicht ohne, denn immer wieder wurde die Schneefläche von Geröll durchbrochen. Auch zeigte sich der spätere Abstieg nicht so einfach wie es aussah. Denn kaum hatten wir den Schnee hinter uns gelassen, so erwarteten uns große, flache, locker aufeinander liegende Felsblocken in allen Formen, auf denen wir mehr oder weniger das Gleichgewicht haltend, den Berg hinunter balancierten. Es war sehr spannend, immer den richtigen Tritt zu erwischen bzw. zu finden. Manchmal waren die Stöcke hinderlich, manchmal von Vorteil. Mit jedem tiefer kommenden Höhenmeter wurde es wärmer und grüner. Die Sommerhitze der Berge ließ uns wieder Kleider wechseln und so gelangten wir nach zweieinhalb stündigem Abstieg an die Tannalphütte, wo wir endlich unser ersehntes kühles Abschlussgetränk zu uns nehmen konnten. Doch es war noch nicht alles zu Ende. Noch etwa fünf km trennten uns vom Parkplatz. Die legten wir dann, gestärkt vom kühlen Weizen und entlang der beiden Seen - Tannensee und Melchsee - in sehr flottem Laufschritt zurück.

Pünktlich, um die einbahn-geregelte Zufahrt zu Melchsee-Frutt passend zu kriegen, kamen wir nach einer interessanten, spannenden und zum Teil anstrengender Tour zu unseren Fahrzeugen. Wir haben eine wunderschöne Frühlingswanderung in den Bergen erleben dürfen und ich melde mich für nächstes Jahr gleich wieder an.

Gerti Zähringer

... und hier geht dann noch weiter zu den Fotos von der Tour .....