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Aus dem Magazin der Deutschen Rettungswacht e.V. 01/2003:
Die richtige Ausrüstung beugt Gefahren vor
Bergwandern ist eine beliebte und zugleich gesunde Freizeitaktivität. Dennoch dürfen vermeintlich leichtere Touren nicht unterschätzt werden: Wer
sich schlecht vorbereitet auf Wanderschaft begibt, setzt sich einer Vielzahl alpiner Gefahren aus. Wir sagen Ihnen, wie solche Risiken zu vermeiden sind, damit Sie ohne den Einsatz von
Rettungskräften in den Genuss der Bergnatur kommen.
„Die Aussicht vom Gipfel muss herrlich sein. Und es ist gar nicht mehr weit. Nur noch 15 Minuten, dann sind wir ganz oben. Das geht auch mit
Halbschuhen ...“ Viele Ausflugsziele verlocken zum Gipfel-Spaziergang, wie beispielsweise der Hochgrat bei Oberstaufen im Allgäu (http://www.hochgrat.de) Mit der Bahn erreicht man mühelos die Bergstation auf 1.708 Meter Höhe. Von dort sind es nur noch knappe 100 Höhenmeter bis auf den Gipfel. Leider ist der Reiz eines
grandiosen Bergpanoramas oft größer als die Vernunft, denn es kommt jedes Jahr zu Unfällen, verursacht durch Leichtsinn, Unkenntnis oder Selbstüberschätzung.
Unbekümmerte Gelegenheitswanderer übersehen meist, dass auch einfache Touren nur mit einer entsprechenden Ausrüstung schadlos zu meistern sind. Ein
Blick auf die Schuhe verrät schon viel. „Es ist nicht zu glauben, mit welchem Schuhwerk manche losmarschieren,“ sagt Manfred Aschenbach, Rettungsassistent am DRF-Luftrettungszentrum
in Mannheim. „Einmal habe ich erlebt, dass ein Bergführer sich weigerte, ein junges Paar auf den Berg mitzunehmen. Die beiden trugen nur leichte Turnschuhe“, erzählt der begeisterte
Bergsportler. Eine funktionsgerechte Ausrüstung ist beim Wandern das A und O. Größtes Augenmerk gilt dabei den Schuhen. Naturbelassene Bergwege sind meist steil und steinig. Schon ein
einziger Fehltritt kann zum folgenschweren Sturz führen. Deshalb sind selbst bei vermeintlich leichten Touren wasserdichte und knöchelhohe Wanderschuhe
mit rutschfestem Profil ein absolutes Muss. Vorsicht gilt bei nassen und glitschigen Wegen, wie zum Beispiel in den Schluchten des Schwarzwalds (siehe auch http://www.schwarzwald.net). Da in die engen Felseinschnitte nur wenig Sonne scheint, trocknen
die Wege bei Feuchtigkeit kaum ab, und neigen eher zum „Vermoosen“ als sonnenbeschienene Wege. Werner Reichel, Stationsleiter am DRF-Luftrettungszentrum Freiburg, weiß, wovon
erspricht: „Wir müssen immer wieder zu Einsätzen in eine der Schluchten fliegen. Selbst solche einfachen Familien-Wanderwege darf man nicht unterschätzen.“
Auch Wanderstöcke
gehören zur Standardausrüstung. Die Teleskopstöcke sorgen für einen sicheren Tritt auf geneigtem Gelände und entlasten die Gelenke. Denn bei jedem Schritt werden Muskulatur, Hüft- und Kniegelenke mit dem Mehrfachen des Körpergewichts belastet, vor allem beim Bergablaufen.
Darüber hinaus ist auf bequeme und zweckmäßige Kleidung zu achten. Sehr gut eignen sich atmungsaktive Materialien, die im
„Zwiebelschalenprinzip“ übereinander gezogen werden. So kann die Kleidung den wechselnden Witterungsverhältnissen angepasst werden. Wer eine wasser- und windabweisende Regenjacke
oder einen Fleece-Pullover im Rucksack hat, kann auch plötzlichen Wetterumschwüngen im Gebirge trotzen.
Ebenso wichtig wie die Ausrüstung ist eine gute konditionelle Verfassung. „Über 30 Prozent aller tödlichen Unfälle im Gebirge sind auf Herz-Kreislaufversagen zurückzuführen“, weiß Prof. Dr. Martin Burtscher vom österreichischen Kuratorium für alpine Sicherheit. Mit zunehmendem Alter steigt die Gefahr eines bevorstehenden Herz-Kreislaufversagens Dieses Risiko kann ohne ärztliche Untersuchung jedoch nicht beurteilt werden. Routinemäßig ist ab 45 jährlich eine internistische Vorsorgeuntersuchung ratsam. Freizeitwanderer sollten ein Belastungs-EKG durchführen lassen.
Einer Wanderung sollte man – was die Streckenlänge und den Grad der Schwierigkeit und Anstrengung angeht – immer sicher gewachsen sein. Als
Faustregel für das Gehtempo gilt: Der Schwächste der Gruppe bestimmt das Tempo. „Laufen ohne zu schnaufen“ lautet das Motto einer gesunden Bergtour. Die ersten 15 Minuten ruhig
gemütlich angehen, dann stellt sich der Körper optimal auf die bevorstehende Belastung ein. Kurzzeitige Anstrengungen und „Außer-Atem-Kommen“, zum Beispiel bei steileren Anstiegen,
können natürlich nicht vermieden werden. Das Einlegen von rechtzeitigen Pausen zur Erholung gleicht solche Belastungen aber wieder aus.
„Abschneider“, also Abkürzungen zwischen den Wegkehren, sind schon allein aus Umweltschutzgründen zu vermeiden. Die alpine Vegetation ist sehr
trittempfindlich, losgetretene Steine erhöhen die Erosionsgefahr. Auf ausgeschilderten oder kartografierten Wanderwegen ist man sicherer, schon Flora und Fauna und schreckt kein Wild
auf. Apropos: Alpenblumen in der Hand verblühen schnell und stehen meist unter Naturschutz. Deshalb lieber fotografieren als pflücken, damit andere Wanderer auch noch Gefallen daran
haben.
Und wenn doch ein Unfall passiert? „Unbedingt Ruhe bewahren“, sagt Dr. med Falk Henkel, Landesarzt der DRK-Bergwacht Württemberg. Erste Hilfe kann
jeder nach den eigenen Möglichkeiten leisten: Den Verletzten in eine stabile Seitenlage bringen und vor Kälte und Nässe schützen. Parallel zur Erstversorgung Hilfe rufen und anhand der fünf „Ws“ den Vorfall schildern. Im Handyzeitalter kein Problem: Nach einer Unfallstatistik des Deutschen Alpenvereins ist der deutliche Rückgang der tödlichen Unfölle auf die Verbreitung des Handy zurückzuführen. Besonders wichtig ist die Angabe des exakten Standorts, denn im Notfall kommt es auf jede Minute an. Deshalb bietet die DRF den SOS-Call an (Der SOS-Call nimmt ortungsunterstützte Notrufe aus Deutschland und Österreich entgegen. Das Benefon Meditrack übermittelt so auf Knopfdruck die genaue Position des Standortes an die DRF-Alarmzentrale und baut danach eine Sprachverbindung auf – siehe auch http://www.sos-call.com) Mit diesem Handy kann der Standort des Anrufenden, bei Empfang eines
GSM-Netzes) exakt lokalisiert werden.
Natürlich ist die mobile Kommunikation nicht dafür da, den Daheimgebliebenen direkt am Gipfelkreuz vom grandiosen Bergpanorama zu berichten. Denn die
einmalige Aussicht, die man zum Beispiel vom Hochgrat auf die Alpenkette hat, erlebt man besser im stillen Einklang mit der Natur – eine entsprechende Vorbereitung und Ausrüstung
vorausgesetzt.
Alexandra Sonn
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