Motorradtour Ostalpen
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Kärnten – Slowenien – Dolomiten vom 12.-19.09.2020

Im Frühjahr 2020 hatten wir für diese Tour noch fünf Anmeldungen. Lust- und krankheitsbereinigt verbleiben am Morgen des zwölften September noch zwei Maschinen. Eine Yamaha FJR und eine BMW RT, sprich Hebby und Elvira, sowie Hans-Elmar und Brigitte. Einen dritten Teilnehmer sollten wir Nähe Garmisch noch aufnehmen.

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Nach harten Verhandlungen mit Hebby treffen wir uns bei ihm um 07.30 Uhr statt 07:00 Uhr. Es wird aber bis zur Abfahrt kurz nach 8:00 Uhr bis Hebby sein Navi zur Wiederaufnahme der Arbeit überreden konnte. Wir kommen trotzdem über die Autobahn gut voran und verlassen Deutschland, wie immer, über die A98 bei Rheinfelden. Der Bodensee liegt noch im frühen Morgennebel, als wir bei Lustenau/Dornbirn die Autobahn verlassen.

Kaum haben wir die schöne Landstraße zum Hochtannbergpaß erreicht haben wir bei Schnepfau eine Umleitung, bzw. Stillstand. Maschinen aus, die Kühe haben Vorfahrt – es ist Almabtrieb! Wir stehen einige Minuten und betrachten die schön geschmückten Kühe mit dem Glockengeläut und ihren feschen Burschen, die ihre Kühe sicher an uns vorbeiführen.

In Schröcken im Hotel Gasthaus Tannberg genießen wir unseren ersten Capucchino auf der Terasse bei Vollsonne. Dieses Traumwetter sollte uns im
Übrigen (fast) die ganze Tour begleiten. Wir durchfahren Warth, das vielen Wanderern bestens bekannt ist und z.B. auch Hinterellenbogen – kennt zwar kein Mensch, aber klingt schön. Wir fahren im Tal entlang bis Stanzach und biegen ab ins Namlostal. Ein wirklich schönes langgezogenes Tal mit wunderbar langen Kurven zum sogenannten Kurvenschwingen.

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Nächster Halt in Ehrwald, beim Golfzentrum. Hebby und Elvira waren schon oft auf diesem tollen Parkplatz, aber noch nie hatten sie die Zugspitze so offen und klar betrachten können wie heute. Wir genießen diesen außergewöhnlichen Anblick und vespern im Stehen ein Brot. Es ist 14:00 Uhr und wir mach uns auf nach Klais am Barmsee beim Karwendelgebirge. Im Kaffee Rusticana nehmen wir Hubert unseren dritten Mann auf.

Ein Gentleman Driver, der wie er selbst sagt, mit 3 Zi/Kü/Bad unterwegs ist und sämtliche Kleider auf Bügeln hängend transportiert. Er fährt eine 6 Zylinder BMW 1600 GT mit 350 kg und 160 PS. Ein Trumm, das er spielerisch und perfekt bewegt.

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Wir starten in der Reihenfolge: Hebby, HE, Hubert die nicht so bleiben soll. Bei Wallgau befahren wir für € 5,– Maut die Vorderrißstraße zum Sylvenstein-Stausee. Es geht an der Isar entlang und Hebby sagt, hier sähe es aus wie an einem Flußlauf in Kanada. Auf der Staumauer räkeln sich Touristen alle Herren Länder in der Sonne. Am Achensee vorbei, unter der Autobahn durch gelangen wir ins Zillertal nach Stumm zu unserem ersten „Hotel zum Pinzger“.

Nach 520 km gibt’s jetzt erstmal ein Weizenbier. Wir genießen unsere Halbpension auf der Terasse und profitieren von der guten Stimmung einer großen Familienfeier mit Musik. Das Dorfleben auf der Straße ist
fast wie in einem Film der 70er Jahre. Gut gekleidete Menschen und kleine Kinder bewegen sich überall und sind gut drauf. Perfekt.

Tag 2: Km 240 am So. 13.09.2020

Der Tag erwacht mit kühlem Spätsommerwetter und Vollsonne – eine Wonne. Weil wir heute nur 200 km auf dem Programm haben und zeitig dran sind, entschließen wir uns, zusätzlich die Zillertaler Höhenstraße zu fahren. Diese mautpflichtige Herausforderung ist 40 km lang und führt uns über unzählige Spitzkehren hinauf. Hier ist fahrerisches Können gefragt. Die Kurven kann man teilweise nur im ersten Gang mit der Hand an der Kupplung befahren. Wer hier den Motor abwürgt fällt sofort um, da gibt es kein Halten. (Es sollt noch
besser Kommen!!)

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Vorbei am Almgasthof Zirmstadl erreichen wir den höchsten Punkt die Hirschbichlalm auf 2010 Metern. Wir machen eine kurze Rast und schauen den Gleitschirmfliegern beim Auspacken zu. Auch hier oben ist Parkplatznot und Hebby gerät mit einem Busfahrer in Diskussion, auf dessen Parkplatz wir zufällig stehen.

Als wir die lange Strecke wieder ins Tal fahren, sehen wir die Gleitschirmflieger bereits über uns in der Sonne ins Pinztal fliegen. Auf dem Gerlospaß haben wir herrliche Sicht auf die Krimmler Wasserfälle. Sie sind die fünfthöchsten Wasserfälle der Welt mit einer Fallhöhe von 380 m über 3 Stufen. Zahlen sind auch immer wichtig.

In der Ortsmitte von Mittersill nehmen wir einen Eiskaffee auf der „Piazza“ und stellen wieder einmal fest, wie laut der Verkehr, insbesondere die Motorräder
sind. Wir sind uns einig, dass wir Ortschaften immer leise passieren wollen. In Zell am See biegen wir ins Fuscher Tal ein Richtung  Großglockner. In Fusch fahren wir am Bären vorbei, indem wir letztes mal übernachtet haben. Hier seien gegrüßt: Peter (Pit), Hans und Martina, Albert, Heinrich und Meinrad. Wir denken auch an Simon und Friedbert, die uns fehlen.

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Hier scheint meinem Hintermann Hubert meine langsame Fahrweise endgültig zu langsam, sodass er mich und andere Schlangenfahrer in einem 160 PS Rutsch überholt und fortan auf der zweiten Position fährt. Ich hadere erneut mit mir, und den anderen Touristen, die die Umwelt und den Gletscher belasten. Dieser hat sich nämlich erneut weiter zurückgezogen. Der Pasterze Schrägaufzug, der früher bis zum Gletscher führte, endet heute in einem Geröllfeld, von dem aus der Gletscher nicht einmal mehr zu sehen ist.

Es geht weiter an Heiligenblut vorbei nach Oberdrauburg, wo wir zum Gailbergsattel abbiegen. Hier erwartet uns die Gailberghöhe, die für die nächsten zwei Nächte unser Heimat und uns schon besten bekannt ist.
Der überaus freundliche Wirt Herr Buzzi verwöhnt uns mit Halbpension und gutem Wein.

Tag 3: 301 Km am Mo. 14.09.2020

301 Km, 1000 Kurven und Motorradklettern! Wir starten heute erst um 09:00 Uhr von der Gailberghöhe nach Kötschach zum morgentlichen Auftanken. Hebby stellt fest, dass sein Navi die heutige Tour rückwärts aufgezeichnet hat und somit starten wir mit dem Plöckenpaß nach Italien. Das hat sich im
Nachhinein als Vorteil entpuppt.

Um 09.30 Uhr sind wir oben in Paluzza der Paßhöhe bei feuchtkühler Morgenstimmung. In Comeglians plant Hebby die Tour erneut um. In „Danta di Cadore“ gibt es eine Vesperpause und in „Laggio die Cadore“ einen Eiskaffee. Einen großen Eiskaffee für € 3,70 und einen Espresso für € 1,10. Preise wie vor 20 Jahren.

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Der nächste Halt heißt Lago di Sauris. Ein Ausflugssee, ähnlich dem Titisee mit Bootsverleih. Hubert unser Rheinländer lädt uns auf eine Runde ein. Geboren in Köln, lebend bei Frankfurt und verbandelt bei München, bringt er einige km mehr auf die Straße als wir.

Apropos auf die Straße. Die nächsten 200 Kurven über den Passo di Peira (1425 m) bringt uns zum abenteuerlichsten Abschnitt der Reise, dem „Val de Preone“. Hier beginnt das Motorradklettern. Das Warnschild am Eingang des Tales deutet auf bis zu 20 % Steigung hin. Die 2 m breite Straße ist ca. 10 km lang, steil und unübersichtlich.

Hebby oder Herbercht, wie man im Rheinland sagt, fährt sensationell voraus. Daß kein Gegenverkehr auftaucht, ist reine Spekulation. Aber wer außer uns verirrt sich schon hierher. Einmal bekommt unser Hubercht sein Schiff nicht ums Eck und muß rangieren. Kupplung, Gas, Kupplung, Gas geht es voran. Zur Entspannung dient eine breite weite Straße im Tal nach Moggio Udinese und Pontrebba. Hier hätte auch ein Harleyfahrer seine Freude gehabt.

Es ist schon 18:00 Uhr und das Pferd riecht den Stall. Der Ritt führt noch über eine schlechte Straße hoch auf den Naßfeldpaß ins Skigebiet. Hier oben sollten wir übermorgen übernachten. Die Straße ins Tal nach Tropollach war vorbildlich, fast so schön wie die Schauinslandrennstrecke.

Gegen die Abendsonne fahren wir entspannt das Gailtal entlang bis Kötschach und ab auf die Gailberghöhe.

Müde und geschafft freuen wir uns auf das Abendessen mit erneut gutem Wein. Alt werden wir auch heute nicht, denn die Konzentration den ganzen Tag über auf die Straße und den Verkehr macht müde.

Tag 4: km 300 am Di.15.09.2020

Unser Ziel heute heißt: Malta Hochalmstraße, Nockalmstraße, Hochrindl. Heute verlassen wir die Gailberghöhe endgültig und fahren zunächst ein Stück zurück Richtung Großglockner. In Winklern geht’s an der Möll entlang durchs Mölltal bis vor nach Spittal a.d.Drau. Wir kommen wieder am Porsche Automuseum in Gmünd vorbei. Sollte es jemand noch nicht wissen, Porsche hat seine Wurzeln nämlich in Gmünd in Österreich. In Malta im Maltatal machen wir traditionell Halt im Terrassencamping und Hotel Maltatal.

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Wir fühlen uns vertraut und entern die Terasse selbstbewußt als einzige Gäste und erinnern uns an unsere Reise vor genau 3 Jahren. Wir fahren ein in die mautpflichtige Malta Hochalmstraße, stehen aber nach wenigen km an der roten Ampel. Der Rettungswagen ist durchgefahren, keiner weiß wie es weitergeht. Das ist keine gutes Zeichen für uns Motorradfahrer. So ein Zwangsaufenthalt ist unter den Wartenden immer sehr kommunikativ. So lernen wir ein Ehepaar aus Freiburg kennen, die in einem Leverkusener Auto mitfahren.

Irgendwann geht es weiter an den Malta Wasserfällen vorbei zum Kölnbreinspeicher. Seine Staumauer/Kronenlänge beträgt 626 Meter. Die Mauerhöhe 200 Meter und insgesamt sind 2 Millionen Kubikmeter Beton verbaut. Vor drei Jahren hatten wir unwirtliches windiges Regenwetter, aber heute können wir den Aussichtspunkt voll genießen. Wieder ein Tag mit Kaiserwetter. Sehr beeindruckend ist die über der Staumauer schwebende Aussichtsplattform mit Glasboden.

Wir fahren die Sackgasse zurück und Schlag auf Schlag biegen wir in Richtung Nockalmstraße ab. Für alle Nichtmotorradfahrer: Das sind Schmankerlstrecken für uns Biker. Schöner geht’s nicht, allerdings gleich wieder Maut! Fast jeder Biker macht auf der Paßhöhe Rast. Wir beobachten einige Oldtimer, die offensichtlich eine Ralley machen. Jaguar, Mercedes, alte Porsche alles ist dabei. Eine  Augenweide.

Eine für uns unbekannte Paßhöhe war der Hochrindl, der aber eine tolle Sicht auf die Wirmitzer Berge freigibt. Im Tal angekommen fahren wir am Ossiacher See entlang, über Villach nach Finkenstein am Faaker See. Ich mutmaße, dass sich bei der Anfahrt zu unserem Hotel „Finkensteiner Hof“ Hebby’s Navi verschluckt haben muss. Über Hinterhofstraßen und einem verlassenen Gewerbegebiet stehen wir plötzlich gegenüber unseres Nachtlagers, besetzt und belagert von der österreichischen Militärpolizei.

Nachtlager deshalb, weil Fam. Higle bei der Zimmerwahl den schwarzen Peter gezogen hat. Deren Zimmer liegt im EG, genießt 70er Jahre Charme der  allerdings verblaßt sein muß. Vorteil ist, es liegt direkt am schönen Pool, den die beiden auch gleich nutzen.

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Brigitte und ich haben ein nagelneues Zimmer mit bodenebener Dusche. Alles riecht neu. Super. Den Vogel abgeschossen hat Hubercht unser Rheinländer, die immer alles ganz genau wissen, oder so ähnlich. Er hat ein Dreibettzimmer mit 1,60 m großer Dusche und Ankleidezimmer. Glück gehabt.

Brigitte hat sich hier im Garten unter großen Oleanderbüschen mit Freunden aus Oberwollanig/Villach verabredet. Hilde und Josef passen gleich gut zur Gruppe und bereichern unseren Abend mit Lokalkolorit und Geschichten von ihrem Bauernhof. Nach drei Minuten Fußweg erreichen wir den Gasthof Feichter, wo wir alles zusammen fürstlich Abendessen. (Unser Hotel bietet lediglich Garni an). Ich entscheide mich für ein Kärntner Cordon bleu, gefüllt mit Schinken, Käse und Kraut mit Gewürzen. Sehr fein. Hebby schaut neidisch auf meinen Teller und bekommt natürlich eine Kostprobe.

Über die Sicherheit unseres Hotels mussten wir uns keine Sorgen machen. Die erwähnte österreichische Militärpolizei hat im Finkensteiner Hof ein Seminar über Corona abgehalten. Die Damen und Herren in olivgrüner Uniform, bewaffnet bis unter die Zähne sicherten so auch unser Frühstücksbuffet. Das „Bergfest“ ist erreicht, es naht Tag 5.

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Tag 5: 380 km Mi.16.09.2020

Wir verlassen den Finkensteiner Hof, gestärkt und behütet Richtung Slowenien. Heutige Höhepunkte: Loiblpaß, Magartom und Skigebiet Naßfeld am Passo di Pramollo. Den Loiblpaß erreichen wir durchs Rosental. Hier gibt es wieder lustige Ortsnamen, wie „Maria Elend oder Hundsdorf“ alles im Rosental. Wir sind in Slowenien und befahren eine Hochebene. Auf einer Straße, ähnlich der zum Wiedener Eck, auch genauso befahren, liegt plötzlich hinter einer Kurve eine Kuh auf der Straße und eine Zweite am Rand. Sie schauen auf den herannahenden Verkehr – entspannt – alle 2 Minuten eine Kaubewegung. Hinter dem Auto vor uns halten wir an, lassen den Gegenverkehr passieren und umkurven dann die Kühe. Das ist Entspannung!

Wir bewegen uns auf dieser Hochebene auf kleinsten Straßen. Links und rechts des Weges kleine Holzhäuser. Menschen treffen sich zum Wandern. Es macht den Eindruck eines großen Pfadfindercamps. Der Weg führt hinunter zum „Bohinjsko J.” See. Die Ortsnamen sind hier nicht so einfach auszusprechen als in Österreich. Der See ist ein touristischer Anziehungspunkt mit Bootsverleih, Eisverkauf und Freisitzkiosk. Sehr angenehm.

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Jetzt führt uns eine Schnellfahrstrecke mit langen Kurven über Tolmin nach Bovec. Hier geht’s ab zum Mangartom. Hebby hat diese Tagesroute nur deshalb so ausgewählt, weil er unbedingt den Mangartom machen wollte. Das ist eine Mautstrecke mit großem Baustellenbereich. Wir lösen unser Ticket und haben eine tolle Auffahrt zum Mangartom. Das Ziel vor Augen werden wir jäh gestoppt von einer weiß/roten Schranke. Gesperrt wegen Felssturz. Hier auf diesem Rastplatz finden sich viele ein und kommen nicht weiter. Schade. Beschweren, dass wir am Eingang nicht aufgeklärt wurden, geht nicht, denn wir haben keine Maut, sondern eine Umweltabgabe bezahlt wie auf dem Ticket zu lesen ist.

Also wieder runter nach Bovec, wo wir über den Vrsic Paß zu Tal Kransjska Gora erreichen. Ein für slowenische Verhältnisse mondäner Sportort für Skifahrer und Wanderer. So jetzt kommt es darauf an, ob die Straße nach Italien coronabedingt offen ist – oder nicht? Wir fahren am Zollhaus vorbei, es ist niemand da. Uff! Super, denn sonst wäre ein Superumweg fällig gewesen und den hätten wir am heutigen Tag gar nicht brauchen können.

In der Ebene fahren wir erneut nach Tarvisio nach Pontebba. Ich glaube ich war auf dieser Tour schon zigmal in Pontebba. Also von Pontebba wieder rauf zum Naßfeld. Wir suchen unser „Plattner’s Alpenhotel“ und finden es schließlich auch. Es liegt nicht im, sondern überm Ort. Dieses Hotel ist eine Empfehlung für die Zukunft meint Hebby. Wir erreichen unser Domizil und werden bereits dringend erwartet. Heute war nämlich Grillabend auf der Terrasse von 16.30
-19:00 Uhr. Wir sind aber erst nach 19:00 Uhr angekommen, sodass der Grill theoretisch beendet war.

Das waren heute 380 km. Zu viel – zu spät angekommen. Das Gewitter mit Hagel treibt uns frühzeitig ins Bett.

Tag 6: 300 km am Do. 17.09.2020

Wir verlassen Plattner’s Alpenhotel am Naßfeld, wie so oft 2 Minuten vor 09:00 Uhr via Mondschein in den Dolomiten. 100 m hinter dem Hotel passieren wir bereits die Grenze nach Italien und erreichen nach einem kleinen Paß „Moggio Udinese“ Heute verändern wir die geplante Route und verkürzen. Der Vortag war kraftzehrend.

Im Tal führt uns eine 30 km lange und breite Straße an der Autobahn entlang. Das ist sehr entspannend und morgens mal angenehm zum Einfahren. Bei Ampezzo geht es schon wieder in die Berge und auf dem Passo Cibiana gibt es die Capucchino Pause noch immer bei strahlendem Sonnenschein . Das sollte heute nicht so bleiben. Vor dem Pellegrinopaß in Falcade setzt der Regen ein den wir seit einigen Kilometern vorausgesehen hatten.

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Wir stellen uns bei einer Tankstelle unter, um den schlimmsten Schauer abzuwarten. Ganz zum Leidwesen des unfreundlichen Pächters, der durch uns Umsatzeinbußen befürchtet. Also fahren wir weiter über den San Pellegrino und den Karerpaß zum ersehnten Hotel Mondschein im Eggental.

Ab jetzt wird’s deutsch, wir sind in Südtirol. Die letzten Kilometer waren zäh und wir sind froh anzukommen. Die Begrüßung fiel diesmal nicht ganz so herzlich aus wie sonst. Statt Empfangscocktail und Snack gibt es Fieber messen und Zimmerschlüssel. Unsere Erika scheint etwas gestreßt – gelinde ausgedrückt. Bei leichtem Regen unter dem Garagendach nehmen wir unseren Aperol Spritz zu uns. Jetzt aber wieder flott: Baden, duschen, saunieren, fein machen und runter zum Dinner.

Wir bekommen ein 5-Gängemenue in bewährter Qualität und Südtiroler Rotwein. Im Lokal geht es zu wie in der Markthalle am Mittag. Die Bedienungen tun mir leid. Sie sind die Einzigen die Mundschutz tragen müssen. Sie sind so freundlich, aber ich als Schwerhöriger verstehe gar nichts mehr bei diesem Lärmpegel. Für heute gute Nacht.

Tag 7: 310 km am Fr. 18.09.2020

Heute verlassen wir das Mondschein schon wieder und es steht „Kacheln mit Karl“ an. Hebby hatte am Vorabend Kontakt mit Karl und so kommt
es, dass wir uns an eine 6er Gruppe aus Itzehoe dranhängen konnten auf dem Weg nach Bedollo. Start 9.00 Uhr überpünktlich, was Hubert noch
nicht wusste und in Zeitnot geriet.

Vor mir Hubercht und hinter mir Herbercht, der heute den Lumpensammler machen will und damit das Schlußlicht bildet. Karl nimmt heute das „Kacheln“ nur allzu wörtlich, sodaß unsere Morgenausfahrt zur wilden Hatz wird. Hubercht vor mir hat schon wieder zwei Plätze gutgemacht und seine 3 Zi/Wohnklo an einer MV Augusta und einer BMW GS vorbeigeschoben. Bei der Race habe ich Hebby aus dem Rückspiegel verloren, der dieses Tempo nicht mitgehen will.

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In Bedollo finden wir alle wieder zusammen und genießen den 3-Seenblick von derTerasse aus. (Kaiserwetter). Hier verlassen wir die Gruppe worüber alle froh sind. Hebby übernimmt wieder die Führung.

Den Kaiserjägersteig befahren wir diesmal von unter her. Das bedeutet von Levico Therme aus. Auf den Kaisersteig von 1870/80 haben die österreichischen Kaiserjäger diese Kriegsstraße 1911 erbaut. Die Rast am Aussichtsplatz ist obligatorisch. Das Tal mit all den Obstplantagen erinnert fast ein wenig an das Bozenertal, wäre da nicht der große „Lago di Caldonazzo, der freilich vielfach größer ist als der Kalterer See.

Hebby findet die verschlungensten Wege und Pässe bis ins Tal an die Etsch, Nähe Rovereto. Wir überqueren die Etsch und nehmen Kurs auf den „Monte Bondone“. Kein Witz: Es ist die gefühlt längste Anfahrt auf einen Paß die ich je hatte. Unendliche Kurven und Kehren durch ein endloses Waldgebiet. Die Straße wird immer schmaler und der Wald dunkler. Kein Verkehr mehr. Irgendwann wird die Straße wieder breiter, der Wald lichtet sich und wir sind auf dem Hochplateau Paßhöhe „Monte Bondone“.

Nicht zu glauben, dass es hier oben eine richtig gute und große Gastätte gibt. Sie kredenzt uns „Vinschger Tirolese, Cioccolata calda und Coca grande. Wir machen Mittagspause während die Maschinen vor sich hinknistern. Nach einer Stunde fahren wir weiter und sind alsbald im Skiort „Madonna di Campiglio“. Eine weit geschwungene Talfahrt führt uns nach Dimaro an das wir noch schöne Erinnerungen haben. Wegen 17:00 Uhr sind wir an unserer letzten Herberge. Die Pension „Jolly“. Hier werden wir vom Wirtepaar als Wiederholungstäter freundlich empfangen und trinken ein Weizenbier in der Abendsonne. Unweit entfernt an der Autostrada essen wir in der Pizzeria zu Abend. Es ist günstig und  trotzdem entscheiden wir, das wir das nächste mal wieder im Ort essen.

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Tag 8: 510 km am Sa. 19.09.2020

Letzter Tag, heute geht es nach Hause. Die Wirtsleute reichen uns ein ganz tolles Frühstück mit allem was man sich wünschen kann. Abfahrt
ist für 09:00 Uhr geplant. Hubercht verläßt uns etwas früher Richtung München. Gute Fahrt!!

Unsere Maschinen sind in einer Garage hinter parkenden Autos gefangen. Trotzdem starten wir pünktlich um 09:00 Uhr. Wir beginnen entspannt Richtung „Passo del Tonale“ auf 1883 m. Hier oben wird es kalt und neblig, weshalb wir uns nicht aufhalten und durchfahren nach Ponte di Legno.

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Diesmal machen wir keinen Steuerhalt in Livigno, sondern entscheiden uns aus Zeitgründen für eine Abkürzung über Aprica (!) nach Tirano. Hier machen wir Pause in einem Straßenkaffee auf der „Piazza della chiesa“. In der Kirche findet gerade eine Hochzeit statt, die akustisch nach draußen übertragen wird. Typisch Italien eben. Ringsum bewegen sich elegant gekleidete Herrschaften mit Sonnenbrillen in der Sonne.

Schön zu betrachten, doch wir müssen weiter über den Berninapaß. Hier findet gerade eine Autoralley statt. Es überholen uns die schnellsten und teuersten Autos die es gibt. Rennwagen eben, die ich gerne passieren lasse. Auf der Paßhöhe stehen dann alle zusammen. Oldtimer, große und kleine, die neuen Wilden. Alles was 4 Räder zum Fahren hat.

Im Tal erwartet uns Pontresina. Wir lassen St.Moritz links liegen und biegen rechts ab nach Samedan und erklimmen den Albula auf 2312 m Höhe. Es ist leicht bewölkt, aber schön genug für eine Pause. Hier hat
Hebby eine Verabredung mit ein paar Edelweiß, die er uns zeigen will. Wir veschwinden hinter ein paar Hügeln hinter dem Paßrestaurant und finden tatsächlich eine ganze Menge Edelweiß. Hebby findet alles!

Meine BMW braucht heute irgendwie ganz wenig Sprit. Aber nach 560 km wird auch das größte Spritfaß leer. Bei der Talfahrt im Schleichgang hoffe ich auf eine nahende Tankstelle. In einem Tunnel vor Thusis stoppt der Verkehr wegen Überlastung, was ich jetzt überhaupt nicht brauchen kann. Uff, geschafft 2 km nach der Autobahnauffahrt Thusis erscheint die ersehnte Tankstelle. Es gehen über 21 Liter rein, also waren 3 Liter noch drin. Ich erinnere mich an unseren Freund Friedbert Hahne mit seinem 36 Literfaß.

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Wir stärken uns hier nocheinmal und treten den 280 km Autobahnmarathon bis nach Hause an. Es läuft gut am Walensee und Zürichsee entlang, aber es dauert eben lang. Wir spüren den Ort auf dem wir sitzen deutlich und sind froh als wir vor Higles Haus in Schlatt absteigen dürfen.

Wir verabschieden uns von Elvira und Hebby und sind einstimmig der Meinung, dass es wieder sehr schön und nicht unsere letzte Tour war. Hebbys Organisation war wieder perfekt, es ist nur schade, dass nicht mehr mitfahren konnten.

Dem Leser ist’s schwindlig, dem Schreiber genug!

Herzliche Grüße
Hans-Elmar Klug